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Kinder, Handy, Medienkompetenz
Kaum ist die Schule aus, zückt unser Grundschulkind sein Handy und stöhnt: "Oh neee, schon wieder 68 neue Nachrichten in meinen Channels." Kommt euch das bekannt vor?
Seitdem WhatsApp die „Kanal-Funktion“ eingeführt hat, nutzen Minderjährige den Messenger ähnlich wie Social Media: Sie erreichen hunderte, teils tausende Follower und teilen häufig persönliche Inhalte, ohne dass die Eltern davon wissen.
Viele Kinder und Jugendliche betreiben eigene WhatsApp-Kanäle, posten regelmäßig Inhalte und setzen sich dabei Risiken aus – von der Preisgabe persönlicher Daten bis hin zu Cybergrooming. Fachleute raten Eltern dringend, klare Regeln für die Nutzung zu definieren.
Eine aktuelle Untersuchung der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen zeigt: Vor allem Kinder, die keinen Zugang zu klassischen Social-Media-Plattformen haben, nutzen WhatsApp-Kanäle aktiv. Die Studie analysierte 100 Kanäle von Nutzenden im Alter von 12 bis 18 Jahren. Das Ergebnis: Viele Kinder teilen regelmäßig private Einblicke mit Hunderten oder Tausenden von Followern, oft ohne Wissen der Eltern.
Zwischen Messenger und Social Media
WhatsApp-Kanäle unterscheiden sich von normalen Gruppen-Chats: Nur die Admins posten Beiträge, andere können meist nur mit Emojis oder kurzen Abstimmungen reagieren. Wer mehr Interaktion möchte, legt Zusatz-Chatgruppen an. Das Ergebnis ist ein Social-Media-ähnliches Erlebnis innerhalb von WhatsApp: Posts, Kommentare, Likes – alles ohne klassische Social-Media-Apps.
Hunderte Follower – unkalkulierbare Risiken
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Kinder, Handy, Medienkompetenz
Nicht nur Gleichaltrige, sondern auch Erwachsene folgen den jungen WhatsApp-Influencern. Die Erstellung von Gruppen bedeutet automatisch, dass die eigene Telefonnummer sichtbar wird, was ein hohes Cybergrooming-Risiko mit sich bringt. Inhalte können zudem Rückschlüsse auf Wohn- oder Aufenthaltsorte zulassen, wodurch ungewollte reale Kontakte entstehen können.
Vielfalt auf WhatsApp-Kanälen
Von Tagebuch-Einträgen über Tanzvideos bis hin zu Tipps zu Liebe und Lifestyle: Die Inhalte der Kanäle sind bunt und oft sehr privat. Posts wie „Heute zeige ich euch meinen neuen Pyjama“ sind keine Seltenheit.
„WhatsApp zeigt, wie rasant sich die digitale Welt wandelt und wie schwierig es für Eltern ist, die Online-Aktivitäten ihrer Kinder im Blick zu behalten“, erklärt Dr. Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW.
Vertrauen und Regeln – beides ist wichtig
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Kinder, Medienkompetenz, Handy, digital
Kinder profitieren, wenn sie Sicherheitsregeln verinnerlichen: keine persönlichen Daten teilen, nicht mit Fremden kommunizieren und Eltern einbeziehen. Gleichzeitig fordert die Landesmedienanstalt WhatsApp auf, Verantwortung für den Schutz von Minderjährigen zu übernehmen – verweigert das Unternehmen dies, wird die Medienaufsicht aktiv.
WhatsApp gibt ein Mindestalter von 13 Jahren an. Eltern sollten die Nutzung der Kanal-Funktion vorab besprechen, Regeln für Inhalte aufstellen und persönliche Daten wie Wohnort, Aufenthaltsorte oder Identität schützen.
Elternabend nicht verpassen:
Am 17. März um 19 Uhr bietet die Landesanstalt für Medien NRW einen kostenfreien, digitalen Elternabend zu WhatsApp-Kanälen an: Hier geht's zur Anmeldung.
Hilfe bei Cybergrooming:
Meldungen können unkompliziert bei der Landesanstalt für Medien NRW erfolgen: www.medienanstalt-nrw.de/beschwerde